Regale die die Welt bedeuten

Eine Hommage an die gestapelte Ordnung

Regal – ist mir egal! Das ist die Grundeinstellung vieler ignoranter Arbeitskollegen in der Gastronomie. Es gibt jedoch auch Menschen, die sehr cholerisch auf das Thema reagieren, wenn Sie mal wieder den halben Tag die „Scheiße“ der freundlichen Kollegen in Ordnung bringen mussten.

Kurz zur Erklärung: Regale gibt es fast so lange wie die Menschheit. Sie dienen seit jeher zur Aufbewahrung von Dingen. Wenn man diese Dinge mit viel Liebe und Sinn für Ordnung in das Regal sortiert hat man einen Ort, an dem man diese Dinge, immer wenn man sie braucht, wiederfindet.

Für einen guten Durchblick sorgen Beschriftungsetiketten, die demjenigen helfen sollen, der mit der großen Aufgabe betraut wurde Teil A zu den anderen Teilen A zu stellen und nicht etwa zu Teil B, wobei B theoretisch noch in der Nähe von A stehen würde. Und da wird es kompliziert. Hier muss man mehrere Dinge gleichzeitig koordinieren: Etwas halten, etwas lesen, nach etwas Ausschau halten und danach etwas dahinstellen, wo es tatsächlich auch hingehört. An der Komplexität dieser Aufgabe brechen dann viele Leute zusammen.

Ausreden – Warum irgendwer irgendwas nicht dahin geräumt hat, wo es hingehört, wird oft mit irgendeinem Rumgelaber versucht zu erklären! „Ich bin doch zu klein“ Ja wofür hat denn irgendein verfluchter Neandertaler eine Leiter erfunden? Und wie kommt eigentlich der ganze Mist da drauf, der nicht da oben vorgesehen war?  „Ich hatte echt keine Zeit! Es war gerade voll stressig!“ Deinen Lohn überweis ich Dir auch erst nächsten Monat, denn Zeit hab ich gerade nicht weil ich Deine Scheiße wegsortieren muss! Ach ja! Und das stresst mich!

Wie der Regalterrorismus beginnt kann man mit einer ganz einfachen Situation ausprobieren und beobachten: Man muss lediglich einen halben Meter Platz in einem Regal frei räumen. Dann kann man sich entspannt zurücklehnen und warten. In einigen Fällen dauert es nur wenige Minuten bis der freie Raum mit irgendeiner Scheiße zugestellt wird, weil der Küchenfuzzi oder der Barkeeper mal wieder kein Bock hat seine Arbeitsutensilien oder Waren an der richtigen Stelle zu platzieren. In Betrieben mit vielen Mitarbeitern funktioniert das relativ schnell. In kleinen Bars muss man gegebenenfalls etwas Zeit investieren um das Ergebnis erleben zu können. Aber es wird passieren! Ich habe diesen Versuch schon einige Male gemacht.

Ich behaupte, dass es in fast jeder anderen Branche besser funktioniert als in der Gastronomie. Wenn man bei Media Markt bei Minus 20 Grad eine Waschmaschine am Hinterausgang abholen muss, kann es zwar auch einige Minuten dauern bis der nette Lagermitarbeiter das Ding rausrückt, aber die 40 Kilo Maschine steht auch in drei Metern Höhe in Regal F3. Ikea hat mich mit seinem Ordnungssystem im „Selbst-Abhol-Regal-Bereich“ auch noch nicht enttäuscht. Es sei denn im Regal H73 war keine Ware mehr. Aus Dokumentationen über den verhaßten Versandhändler Amazon weiß ich, dass dort auch eine penible Ordnung herrscht, auch wenn dort viele robotergesteuerte Maschinen mit mathematischer Genauigkeit dafür sorgen, dass Teil X im Paket für Thomas Müller landet. Menschen laufen da auch rum. Und stellt Euch mal vor R2D2 erklärt Dir demnächst, das die „Chavies“ 2 Meter weiter links und 1 Etage höher einsortiert werden müssen.

Vielleicht tue ich den Amateurordnern aber auch unrecht und ich bin ein Naturtalent im organisierten Sortieren, denn weshalb sollte es eine zweijährige Ausbildung zum Fachlageristen geben? Wenn man ein Jahr dran hängt ist man sogar Fachkraft für Lagerlogistik und wenn man es endgültig auf die Spitze treiben möchte besteht die Möglichkeit einen Meistertitel im Bereich Lagerlogistik zu erlangen. Bis vor kurzem habe ich noch geglaubt, dass man nur ein normal funktionierendes Gehirn benötigt um die brenzlige Regalsituation im Griff haben zu können.

Failed!

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